(Prehi)story Time
Wie viele alternde Nerds, bin ich mit Windows aufgewachsen. Unser erster Computer hatte 3.11 for Workgroups und den Sachen, die man jetzt mit Computern machen konnte, wohnte ein Zauber inne. Man konnte komfortabel mit ganz vielen Pixeln mit der Maus arbeiten und der Dateimanager hatte einen übersichtlichen Baum, um sich durch die Dateistruktur zu hangeln. Paint hatte eine Sprühdose, die mehr als nur Klötze malen konnte. Dann kamen 95 und 98, die das erste mal ein interaktives Startmenü einführten. Jetzt war es sogar möglich, so richtig Videos mit vielen Farben abzuspielen. "Buddy Holly" von Weezer im Vollbild anzuschauen, grenzte an schwarzer Magie. So was konnte doch nur der Fernseher. 2000 brachte den NT Kernel mit, der für ordentlich Stabilität sorgte. XP brachte diese Vereinigung in die breite Masse. Das Luna-Design ließ sich auf schwächeren Kisten wieder deaktivieren und war in Silber später sogar halbwegs ansehnlich, wenn man von den Rundungen absah. "Lol Internet Explorer. Netscape ist doch viel besser". Es war zu dieser Zeit, als Microsoft das erste mal von der EU eins auf den Deckel bekam, weil es versuchte, seine eigenen (im Vergleich subjektiv schlechteren) Produkte, dem Markt vorzuschieben. Das war aber alles noch nicht so schlimm. Relativ schnell kam ein Auswahlmenü für Browser hinzu und die Welt war wieder shiny. Vista war halt ein Bisschen klapprig, wurde mit Windows 7 aber wieder gefixt. Bis dahin habe ich das OS gefeiert und hätte sofort eine Antwort auf die Frage gewusst, welches das beste sei.
WTF?!?
Der erste, richtig harte Dämpfer kam mit 8. Was sollte diese grenzdebile Kacheloptik und wo war der Desktop mit dem Startmenü hin, das mit Windows 7 seinen Zenit erreichte? Es war wie diese vorher-nachher-Bilder von Leuten die Meth nehmen. Das ist doch kein fucking Telefon. Nur, weil Apple und Google anfingen, das Internet mit ihren mobilen Geräten zu erobern, musste Microsoft nachziehen. Es begannen sich Probleme abzuzeichnen, auf die ich später zurückkomme. Auf massiven Backlash aus der Community wurde schnell 8.1 nachgeschoben, das zumindest den Button zurückbrachte und den beschissen gebauten Android-Abklatsch in den Tablet Modus relegierte. Windows 10 hatte schließlich wieder ein halbwegs vernünftiges Startmenü an Bord. Aber die Kacheln blieben, als hätten sie da drin was verloren. Und was sollten diese ganzen, komischen Fragen bei der Einrichtung, die von Version zu Version aufdringlicher wurden...
Licht am Horizont?
Um 2005 rum unternahm ich notgedrungen meine ersten Gehversuche mit Linux, weil es auf einem Webhost lief. Bis dahin ein Buch mit sieben Siegeln. Wie die meisten Windows-Fanboys plagten mich Fragen: "Man steuert das aus der Ferne ohne Desktop?", "Warum sind alle Befehle anders, als unter CMD?", "Was ist das für eine Dateistruktur?", "Alles ist eine Datei?". Aber es wurde mit der Zeit einfacher und durch herumprobieren mit virtuellen Maschinen, die so langsam in Fahrt kamen, fand ich auch heraus, dass es Desktops gab. Verschiedene. Und, wie der Laden so ungefähr läuft. Open Source Software reizte mich schon immer. Der Gedanke, dass der Quellcode da draußen rumgeistert und dass prinzipiell jeder nachsehen könnte, ob unter der Haube Unfug passiert, hat etwas beruhigendes. No such luck mit Windows...Daddy braucht ein neues Paar Schuhe.
Widerlich - Windows 10
This one's a biggie, so you better strap in! - Zumindest der Blick, den Windows 10 hinter die Kulissen zuließ, war inzwischen ziemlich ernüchternd. Wo man hinsah, waren inzwischen irgendwelche Wanzen installiert. Der Gerätepark, die Software und die Netzwerkumgebung wurden nach Hause gefunkt. Telemetrie wurde in irgendwelchen geplanten Tasks versteckt, die sich nur teilweise mit der GUI bearbeiten lassen und für jeden User generierte Namen haben. Windows wollte von der Position bis hin zur Handschrift mit jeder Version mehr über einen wissen und diese Informationen mit Redmond teilen. Gleichzeitig wurde Cortana eingeführt, die einem ständig zuhören sollte. Neben den Dingen, die im Hintergrund abliefen, gab es in der GUI einen Batzen an Datenschutzeinstellungen, die im Auslieferungszustand allesamt deaktiviert waren. Und es tauchten Einstellungen auf, die einem Mündigkeit nur noch vorgaukelten. Sprecht mir nach: Es gibt keine erforderlichen Diagnosedaten. Nur solche, die sie ganz dringend haben wollen. Das ist auch ein Riesenproblem von Edge. Man soll alles offen legen, Privatsphäre wird diskreditiert und wenn man ihn schließt, läuft er munter im Hintergrund weiter. Das Wetter-Widget, das standardmäßig aktiviert war, hat einfach mal den richtigen Ort angezeigt, obwohl man beim Einrichtungsdialog die Nutzung der Ortsdaten verneint hat. News, Weather, Finance. Alles Datenkraken. Das Ausmaß an Arbeit, die nötig war, um die Sammelwut halbwegs wirksam einzudämmen, begann besorgniserregende Ausmaße anzunehmen. Die Vehemenz, mit der Versucht wurde, den User zu einer Anmeldung mit Microsoft-Account zu bewegen, grenzte irgendwann an Nötigung und war mindestens eine Frechheit. Hier wurde fälschlicherweise der Eindruck erweckt, das Erlebnis sei mit Account besser. Warum? Weil ich meine Designfarbe synchronisieren und Store-Apps bewerten kann? Und dafür wird jede Bewegung und jeder Kondensator an Microsoft gemeldet? Nein Danke! Apropos Store Apps: Jedes Betriebssystem, bei dem man sich für die Installation von Anwendungen anmelden muss, ist dahingehend mittelschwerer Scheißdreck. {Schmeißt einen Stinkeblick zu Apple und Google}. Überhaupt sollte die automatische Anmeldung an einem Betriebssystem mit einem fremdgehosteten Account verboten werden. -- Aber auch an der Oberfläche selbst waren inzwischen Risse zu sehen. Anwendungen wie OneNote, die funktionell waren, wurden durch schäbigere, abgespeckte Appx-Versionen ersetzt. Diese wurden im Startmenü auch nach vorne geschoben. Besonders prävalent war das auch bei Systemsteuerungsoptionen, die hinter Tonnen von Optionen des weitgehend unausgegorenen Einstellungsdialogs vergraben wurden und plötzlich gefunden wurden, wenn man den Dateinamen der CPL eintippte. Dafür haben sie ungefragt die BING-Suche ins Startmenü integriert. FUCKING BING. Die schlechteste Suchmaschine des Universums. Ganz ehrlich: Wer die verwendet WILL einfach nichts finden. Und dafür werden dann auch wieder alle Eingaben zurückgeschickt. In dieser Zeit habe ich mir für viele Dinge die Befehle gemerkt, um sie in den Ausführen-Dialog oder eine Shell zu hacken, nur, um mich mich nicht dem Startmenü herumschlagen zu müssen. Scheußlich. Aber das Appx-System dahinter ist noch schrecklicher. Neben den Schnittstellen gibt es kaum Dokumentation zur Funktionsweise und alles ist in Ordnern gespeichert, auf die nicht mal der Admin Zugriff hat, wenn er ihn sich nicht verschafft. Das OS wird mit einer Handvoll Provisioned Apps ausgeliefert, die keinen Namen, sondern nur eine GUID haben. Funktion unbekannt. Die Deinstallation schlägt fehl, weil ... "Fuck you", I guess. Dokumentation - Keine... Nur so aus Neugier: Würdet ihr Hintertürchen für drei-buchstabige Verwaltungsorgane mit dubiosen Absichten in Variablen mit offensichtlichem Namen verstecken?... Nein?... Ich auch nicht. Das einzig wirklich wirklich Gute an Windows 10, die kumulativen Updates, haben sie damit ruiniert, dass die ständig und jederzeit im Hintergrund installiert wurden und immer dann zu einem Reboot aufgefordert haben, wenn man es am allerwenigsten brauchen konnte. Lass mich die Scheiße halt einfach installieren, wenn ich Zeit dazu habe! Eine dreistellige Anzahl an Patches wäre allerdings auch nicht wirklich ein Problem gewesen, wenn das Side-by-Side assembly, WinSxS, nicht inzwischen zu einem völligen Moloch aus 15.000 Ordnern verkommen wäre. Zum Vergleich: So ziemlich jedes rolling Release installiert 2000 Patches in einem kürzeren Zeitraum, als Windows 8 für 200 gebraucht hat. Dieser Kampf macht soooooo müde.
Die Sonne geht auf
Das Gefühl, ständig seziert, schikaniert und wie ein Kleinkind behandelt zu werden war irgendwann so stark geworden, dass die Perspektive, ein gehöriges Maß an Arbeit zu investieren, um meine Ruhe vor diesem "wretched hive of scum and villany" zu haben und zu dem Gefühl zurückzukehren, Herr über das eigene System zu sein, gar nicht mehr so unangenehm wirkte. Gleichzeitig schien ein sanfter Wind eine größere Ladung an Developern ins FOSS-Lager zu wehen, die darauf aus waren, Kompatibilität, Interoperabilität und Komfort zu verbessern. Diverse Desktop Environments erlangten echte Benutzbarkeit. Wisst ihr, wie schön das ist, wenn die Suche im Startmenü das findet, was man verdammt nochmal gesucht hat?. Richtig: Sehr. Treiberkompatibilität wurde verbessert. Tray Icons mutierten von Statusanzeigen für Konsolenprogrammen mit ellenlangen Kommandos zu mächtigen Werkzeugen, die komplizierte Vorgänge mit Schnittstellen für teils schrecklich proprietäre Technik auf wenige Mausklicks reduzierten. "A VPN einrichten? Welches Schweinderl hätten's denn gern?". In dieser Zeit habe ich beschlossen, mein RapidStore RAID, das nicht nur einen extra Treiber, sondern auch einen passenden Registry-Eintrag benötigte damit Windows nicht mit einem 0x7B abschmierte, aufzulösen und dual zu booten. Meine Weapon of choice? openSUSE mit KDE Plasma. (Ja, ich weiß, nein, bitte, aufhören. Ich hab auch Arch (btw) ausprobiert... Und Ubuntu, und Debian, und Mint, und Mint Debian Edition, und CachyOS, und ZorinOS, und Fedora, und Kali... sogar CommodoreOS und FreeBSD. Ja, ich weiß auch, dass es GNU/Linux heißt. Sagt aber keiner. You say "pacman -Syu", I say "zypper dup". Jedem Tierchen sein Pläsierchen. Seid lieb zu einander. Gemeinsam sind wir stark). Im Endeffekt gab es nur noch eine Hand voll "killer" Sachen, die mich bei Windows hielten: VST-Plugins, Adobe Software und Gaming. Letzteres hat sich durch den massiven Einsatz von Valve und bahnbrechende Arbeit an Proton in Wohlgefallen aufgelöst. Die ersten beiden wurden auf eine dedizierte, völlig zugeschraubte Windows-Maschine mit Windows 10 LTSC verbannt. Der Inhalt der SSD wanderte zu Backup-zwecken in eine VM. Penguin, I'm yours. Mit Haut und wehender Mähne.
Widerlich - Windows 11
Nachdem eine Weile lang skandiert wurde, dass Windows 10 das letzte Windows sei, wurde unter großem Trara und wenig Begeisterung unter den Usern Windows 11 angekündigt. Als ich diesen Autounfall das erste mal gesehen habe, war ich bereits heilfroh, das Lager gewechselt zu haben. Die gruppierte Standard-Taskleiste, die schon seit Windows 7 komisch ist, wurde noch unübersichtlicher. Das Startmenü war jetzt in der Mitte, aber auch nicht ganz. Wechselt je nachdem, wie viele Anwendungen man offen hat. Muscle Memory? Was ist das? Die Programme waren in Kacheln (DIESE HUREN KACHELN, DIE HÄSSLICHEN! FICK KACHELN BIS ANS ENDE DES UNIVERSUMS!) angeordnet und nach Nutzungshäufigkeit sortiert, nicht nach so was nützlichem, wie ... k.A., dem FUCKING Alphabet. Die Hälfte der Anzeige waren völlig nutzlose Empfehlungen, die allesamt ein Vermögen gekostet haben mussten. Dann war da diese drecks Widget-leiste, die hauptsächlich aus irgendwelcher Boulevard-Schnodder und Fußballergebnissen bestand. Das Kontextmenü wurde verkrüppelt. Der Button für die Erweiterten Berechtigungen im Explorer verschwand. Die Scheiß Bibliothek, die keiner haben wollte (oder je benutzt hat), kam in Form der Galerie wieder. - An welchem Punkt lernt dieser Saftladen eigentlich, dass man die "Benutzererfahrung" (was für ein Scheißwort) nicht dadurch verbessert, in dem man Sachen, die bestenfalls auf Brechreiz stoßen, mit einem Schirmchen versieht und prinzipiell ziemlich genau so wieder einführt? - Allerorts erschien Werbung für Kapitalismus im Endstadium: OneDrive schob sich vor lokale Dokumente und beschwerte sich dann darüber, dass der Speicher im "Bauern-Tier" nicht ausreichte. Und Office wurde mitinstalliert, war aber ohne Abo nicht nutzbar. Spätestens nachdem Recall angekündigt wurde, war für mich klar: Ich kehre nie wieder zurück. Keins meiner Geräte, wo keine VST-Plugins benötigt werden, soll jemals wieder Windows zu sehen bekommen. Böse Zungen könnten jetzt behaupten, dass sie jetzt wenigstens mit Ankündigung Screenshots machen und "NuR lOkAl VeRaRbEiTeN" (no one believed that), aber ich fand beide Optionen untragbar. Als die Erklärung folgte, dass konsequent Schlupflöcher dicht gemacht werden, die die Benutzung mit einem lokalen Account möglich machen, hatte ich keine Gesichter mehr übrig, die ich dafür machen könnte.
Widerlich ... Hardware?
Surface Geräte sind ausnahmslos Kacke. There I said it. Was bei einem "Flaggschiff" im Praxistest aufgefallen ist:
- In der Liste der Geräte finden sich in den Systemgeräten die Geräte Intel Tigerlake Telemetrie Aggregator Treiber oder Surface System Telemetry Driver - Flugschreiber. Nicht für den User oder Admin. Für Intel und Microsoft. Die Spyware sitzt dort sogar auf der Platine. Und was ist mit dem Datenschutz?
- Auf Integrator-Seite gibt es mit den Geräten mindestens genauso viele Schwierigkeiten, wie mit anderen Notebooks. Es werden Chips verbaut, die "gestern" rausgekommen sind (obwohl z.B. die Netzwerkgeräte auch nur Gigabit können) und für die sich in keinem, der heruntergeladenen Images Treiber finden. Nicht mal in denen, die nach Release zum Download angeboten wurden. Wenn man nicht die vorinstallierte OS-Version verwenden will, ist Integration hier genauso Pflicht, wie bei anderen Gerätetypen. Ein deutliches Anzeichen dafür, dass diese Klasse nicht für Enterprise-Einsatz vorgesehen ist.
- Die abgerundeten Ecken des Bildschirms sehen aus wie abgeschnitten - als wäre er defekt. Die Auflösung muss runtergeschalten werden, damit man das vollständige Bild sieht. Die Entscheidung, so etwas einzuführen, ist ein weiterer Beweis dafür, dass hier Design über Usability gestellt wird. Wie soll man da vernünftig X0,Y0 ansteuern?
- Der Bildschirm flext außerordentlich, klappt selbstständig um und scharrt dabei über die Tastatur. Er ist so stark verspiegelt, so dass man an hellen Tagen mehr Hintergrund als Inhalt sieht.
- Die Tastatur ist nahezu unbenutzbar. Sie tippt sich ohne Feedback oder festen Anschlagspunkt und macht einen allgemein billigen Eindruck. Der Travel ist so kurz, dass man bei der Verwendung über seine eigenen Finger stolpert. Sieht in CAD bestimmt super aus, hat aber nichts mit Usability zu tun. Die eingebaute Beleuchtung funktionierte erst gar nicht und sprang dann spontan nach irgendeinem Update an.
- Das Trackpad hat keine Tasten. Wie zieht man was mit der rechten Maustaste? Ist es die Ecke? Wenn ja, wo beginnt diese Ecke, wo hört sie auf? Das Pad selbst ist auch keine Taste. Es wird durch einen Sensor ausgelöst und klappt dann elektronisch nach unten. Eine brilliante... Sollbruchstelle.
- Die zwei USB-C Anschlüsse sind geradezu erbärmlich. Man muss einen ganzen Zoo an Adaptern mitschleppen, damit das Ding überhaubt benutzbar wird. Ein Riesiger Anteil an Peripherie besitzt immernoch normale USB-A-Anschlüsse. Mal schnell eine von den Mäusen anzuschließen, die noch zuhauf rumgeistern, ist nicht möglich.
- Der Anteil an Geräten, die mit einem geblähten Akku zurückkommen ist außergewöhnlich hoch. Oft auch außerhalb des Turnus. Wenn welche nach einer regulären Nutzungsphase zurückkommen, ist der Akku meistens durch. Ersatzteile? Wohl eher nicht.
- Die Hardware ist so verklebt, dass sich nichts austauschen lässt. Bei Problemen mit Bauteilen, die sich normalerweise problemlos tauschen lassen, gibt es keine andere Möglichkeit, als eine RMA anzustoßen und ein 1500 - 4000 € (Anm.: Vor dem AI-Boom) teures Gerät zurückzuschicken, dass dann vermutlich unter immensem Energieaufwand recycled wird (wenn das überhaupt passiert und es nicht einfach zu Landfill wird). Bei anderen Geräteklassen sind wenigstens noch Schrauben drin. Als hätte die bloße Existenz der Right-To-Repair-Bewegung nicht gezeigt, dass etwas schief läuft. Dann wird damit argumentiert, dass es für den Verbraucher besser wäre, dass das Gerät von spezialisierten, hauseignenen Werkstätten bearbeitet wird. - Kein Wunder, so wie die zugeschmiert sind. Wenn sie nicht nahezu vollständig aus Glas, Aluminium und Kleber bestünden, könnte nahezu jeder halbwegs vernünftig ausgebildete Fachinformatiker easy mal ein Bauteil tauschen.
- Die verbaute "Hochleistungshardware" kämpft extrem mit dem winzigen Gehäuse, in dem sie verbaut ist. Stellt man das System unter Last, ist das Gehäuse nach wenigen Minuten wärmegesättigt. Die Komponenten werden gedrosselt, damit sie nicht durchbrennen. Das Ergebnis ist ein starker Leistungsverlust. Mit einem Lasttest ließ sich die CPU auf 700 MHz drosseln und die GPU auf 200 MHz. Vergleichswerte mit einem jahrealten Custom-System (Core i7-7700K, RTX3070) in Unigine Superposition: Weniger als die Hälfte der Punktzahl (2543 / 5934).
Mal ganz ehrlich: Ihr könnt euren abgerundeten Scheissdreck, eure Notches, komisch umklappende Bildschirme, proprietären Magnetnonsens, Anschlussmangel, verklebte Akkus, schlechte Kühlung und Schrotttastaturen nehmen und zurück ins Lala-Land voller verkokster Corporate-Design-Wracke verschiffen. Gebt mir einfach ein gutes fucking Notebook mit nem saftigen Kühlkörper ohne diesen ganzen Bullshit, bei dem man Teile tauschen oder upgraden kann.
Das erste große Problem.
Guardrails. Nicht viele, sondern ALLE. Überall, wo der größte Idiot mit minimalem Aufwand maximalen Schaden anrichten kann, wird in Windows konsequent eine Behinderung eingebaut, die mündige Power-user in den Wahnsinn treibt. Es ist eine Sache, einem normalen User die Berechtigungen auf einen Ordner zu entziehen und eine UAC vorzuschalten. Es ist aber eine ganz andere, das System mit Stellen zu verstopfen, auf die auch der Admin keinen vernünftigen Zugriff mehr hat. Wenn sich aus einem der zahlreichen, möglichen Gründe z.B. EDGE nicht mehr deinstallieren lässt, muss man erst mal die Ownership des Verzeichnisses übernehmen; dann die Vererbung unterbrechen und den ganzen komischen Arschlochkonten die Berechtigungen entziehen, damit er nicht sofort beim nächsten Niesen wieder reinstalliert wird; dann das Verzeichnis leeren, aus blutunterlaufener Verachtung eine FUCKYOU.TXT hinterlassen und zu guter Letzt die Registrierung nach dem Uninstall Key filzen (oder third party tools benutzen), um diesen unsäglichen Unfug aus der Liste der installierten Apps zu entfernen, damit man sich nicht jedes Mal, wenn man ihn wieder dort wieder liest, darüber aufregt. Exakt das Gleiche mit jedem fucking "Feature", das man auf seinem System nicht haben will. Ich brauche keinen EDGE, keinen Store, kein OneDrive, keine XBOX Scheiße, keine Biometrie (ich trau' euch keinen Millimeter damit); keinen minderbemittelten AI-Assistenten, bei dem ich ALLES korrigieren muss; und auch keinen Defender, der die Leistung meines Systems in den dritten Stock des Kellers zieht. Ich bin nicht nur der Typ User, der in der extrem gut nachgemachten Email von Bank/Provider/Social Media Konto den Quelltext liest, um alle involvierten Systeme bei ihren jeweiligen Abuse-Stellen zu verpetzen, ich logge mich auch bei jeder Email, bei der ich weiß, dass sie von meiner Bank/meinem Provider/meinem Social Media Konto stammt von Hand in das entsprechende Konto ein um nachzusehen, ob sie dort auch wirklich existiert, wenn ich die dazugehörige Aktion nicht selbst vor ~10 Sekunden ausgelöst habe... oder manchmal auch nur, weil mir die Anzahl der Trackingparameter nicht gefällt. Mir ist wohl bewusst, dass ich nicht allzu entfernter Zukunft stark altern werde und dann auch zu einer Generation gehöre, die von modernen Attacken mehr als verwirrt ist, aber nachdem ich mich für einen Pfad der Hellhörigkeit entschieden habe, hätte ich lieber ein Betriebssystem an der Hand, bei dem alles dokumentiert ist und bei dem versierte Menschen am Log erkennen können, dass etwas unlauteres passiert, als eins, das von Haus aus alles vor mir verbirgt. Es ist übrigens IMMER NOCH möglich, den Dateityp vor dem User zu verstecken, in dem man eine Datei mit dem Suffix .docx.exe versieht und ein passendes Symbol reinkleistert. Das hätte spätestens mit Loveletter abgeschafft gehört.
Das zweite große Problem
Sie wissen einfach nicht mehr, was sie wollen. - Bis Windows 7 war der Weg klar: Ein paar gute Ideen klauen, den eigenen Sticker auf die mal gute, mal schlechte Umsetzung kleben und diese so vielen Usern wie möglich unterzuschieben. Das hat hervorragend bei der grafischen Oberfläche funktioniert, die Gates und Jobs bei XEROX abgegriffen haben. Das funktioniert auch heute noch bei den Bedienkonzepten, die sie sich bei KDE Plasma und macOS abschauen. Ab Windows 8 geht alles den Bach runter. Die Kacheloptik von Smartphones, dem Zwang zum Online-Account, Recall und die Integration von Copilot in den verdammten Texteditor sind schwer wiegende Katastrophen. Ich habe selten einen größeren Zwiespalt gesehen wie diese riesige Begierde, dem Business-Sektor zu gefallen, gepaart mit der maßlos sturen Taubheit der Userbase gegenüber, die sich seit Jahren über diese Unzulänglichkeiten beschwert. Wie sonst kann es sein, dass man auf der einen Seite Windows 9 überspringt, weil Software, die für Windows 9x (zu dem Zeitpunkt 16 Jahre seit letztem Release) geschrieben wurde nicht mehr laufen könnte und bei der nächsten Version (die laut eigener Aussage eigentlich niemals rauskommen sollte) ganze Generationen von Flaggschiff-CPUs wegsägt, die gerade mal 4 Jahre alt waren.
Don't believe me? Hier sind die Daten:
Windows 98 SE - RTM 10.06.1999
Windows 10 - RTM 15.07.2015
Core i7-7700K - Release date: Q1 2017
Windows 11 - RTM 24.06.2021
Windows 11 hat übrigens bis heute immer noch Junctions wie "C:\Dokumente und Einstellungen", "%userprofile%\Anwendungsdaten" und "%localappdata%\Anwendungsdaten", auf die der Admin laut ACL Zugriff hat, diesen aber verweigert bekommt, um unendliche Rekursion zu vermeiden. Der CrashPilot sagt dazu:
"They are reparse points not ordinary folders. The Application Data and similar entries are NTFS reparse/junction points. The filesystem exposes them but Windows treats them specially to prevent accidental recursion. Many userland APIs refuse to traverse them by default."
What a fucking mess.
Bei der Architektur sieht es nicht viel besser aus: Alle Libraries befinden sich mehrfach in WinSxS. Die Hardlinks für 64 bit sind unter System32 untergebracht, die für 32 bit unter SysWOW64. Startet man eine 32-Bit-Anwendung, werden die SysWOW64 Libraries unter System32 eingeblendet. Ein ähnlicher Unfug passiert in der Systemregistrierung mit den Schlüsseln. Grenzenloser Spaß beim Software provisionieren. Ich glaube, ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte: Wer vier Jahre alte Raketen zu E-Waste degradiert, der hätte auch seine scheiß Dateistruktur reparieren können, statt 20 Jahre lang den selben Bullshit rumzuziehen. Dann muss der alte Käse halt in eine VM in der DMZ. Kritische Infrastruktur läuft eh noch auf Windows XP und hat keine Internet-Anbindung. Neeeee, lass mal lieber Cortana 2 und ne Bildschirmwanze einbauen.
Das dritte große Problem
In ihrer grenzenlosen Paranoia, den Anschluss zu verpassen, haben sie Windows zu einem Spionage-Apparat ausgebaut, der einen Agenten-Thriller aus den 90ern in Ehrfurcht erschaudern lässt. Jede erdenkliche Metrik wird vermessen, aufgezeichnet und die Daten zu Profit gemacht. Klappt man in Microsofts Privacy Statement alle Sektionen auf, erstreckt sich das gesamte Ungetüm auf über 46.000 Wörter (Stand: Anfang 2026). Die Formulierung und mögliche Auslegung ist dabei auch so spitz auf Knopf mit dem Gesetz genäht und wächst stetig in einem derartigen Maß, dass europäische Gerichte und Kommissionen Monate damit verbringen, um herauszufinden, ob ein Datenschutz-konformer Einsatz überhaupt möglich ist. Oft heißt das Ergebnis "Nein" und es muss nachgebessert werden. Zum Vergleich: Der ROMAN Frankenstein hat etwas über 75.000 Wörter. Die KDE Software Privacy Policy hat inklusive Überschrift und Kontaktinformationen 861. Dementsprechend relativ schnell findet sich dort die Passage: "As a general rule, software produced by the KDE Community does not transmit or otherwise transfer information from end-users devices except as a result of an explicit user action". Davon könnten sie sich ein paar Scheibchen abschneiden. Also so ca. 45.000, um es zu quantifizieren.
Das vierte große Problem
Wenn Microsoft der Meinung ist, einen Trend identifiziert zu haben (der nicht mal zwingend ihren Markt betreffen muss), sehen sie sich gezwungen, sofort auf den Zug aufzuspringen und den Mist mit der Shotgun überall einzubauen. Und zwar so ungestüm, nachdrücklich und umfangreich, dass er irgendwann wirklich jedem zum Hals raushängt. Nur so konnten sie auf die unsägliche dumme Idee kommen, die zentralste Steuerkomponente eines Desktop-Betriebssystems durch die eines Handhelds zu ersetzen, obwohl sie im Laufe der Zeit wirklich restlos unter Beweis gestellt haben, dass sie nicht in der Lage sind, dieses Konzept vernünftig umzusetzen. Mittelmaß? Nope. Das geht dann so weit, bis das Internet wieder für ein paar Monate feststellt, dass der Konzern sich nicht für die User interessiert und die Aktie in den Keller geht. Dann wird kurz ne abgeranzte Marketingcampagne aus dem Keller geholt, alle vergessen, wie scheiße das war und der Spaß geht von vorne los. Damals war's die selten dumme Kachel-Optik, heute ist es A.I., Account-Zwang und Tonnen von Bloat.
Gemischtes Sammelsurium an Aktionen und Umständen, die einfach Scheiße sind
- Gesetze werden entweder ignoriert oder deren Anwendung frech diskreditiert - Es wird erst mal nach mehr und mehr gegriffen. Wenn man sich an die tiefgreifenden Einschnitte gewöhnt hat, wird nach noch mehr verlangt. Es ist wortwörtlich eine Diktatur der Offenlegung. Nicht am Unternehmen, sondern am Kunden. Zurückgerudert wird erst, wenn massivster Gegenwind aus der Community kommt oder es Strafen für Gesetzesbrüche hagelt, die man nicht mehr wegreden kann.
- Es ist nahezu unmöglich, aus irgendeiner Microsoft-Anwendung Text zu kopieren, ohne dass zwei Tonnen Meta-Formatierungsscheißdreck und Nicht-Standard-konforme Zeichen mitkommen.
- Powershell hat eine irgendwie ruinierte IO. Kopiert man Text mit Unix-Linefall rein, werden die Umbrüche zwar angezeigt, aber der cursor bleibt auf derselben Höhe (obwohl der CR fehlt, nicht der LF). Manche Programme, die sich nicht starten lassen, gehen einfach sang- und klanglos wieder zu. Startet man dasselbe Programm über die CMD, erscheint auf einmal eine Fehlermeldung. Betrifft sowohl MessageBoxen, als auch Text.
- In den Tagen, als UEFI aufkam, ist Microsoft vorgeprescht und hat dafür gesorgt, dass es eine ganze Reihe an Geräten gibt, auf denen sich nichts anderes, als Windows installieren lässt, weil sie keine Bootloader von anderen Anbietern akzeptieren. Auf vielen, vornehmlich aber bei Hyper-V und Surface ist das heute noch die Standardeinstellung. Man hat die Wahl zwischen bootmgr, einem von Microsoft signiertem Bootloader oder der kompletten Deaktivierung von Secure Boot.
- Zur Beta von Windows 3.1 erzeugte der Installer einen Error Code 102 mit der Meldung "This program has detected that you are running a version of DOS that is not compatible with Windows. Please contact Windows 3.1 beta support", wenn DR DOS oder manche Versionen von PC DOS installiert waren. Obwohl die binär kompatibel waren, hat das die Anwender ausreichend verwirrt, um beide Produkte vom Markt zu drängen.
- Wenn man In Access 2016 Daten exportiert und versendet hat, ging der Standard-Mailclient auf. Das File wurde Protokollkonform angehängt. Um Access 2019 rum ist dafür zwingend Outlook erforderlich. Thunderbird installiert, konfiguriert und als Standard definiert? Tough Shit. Man klickt den Button an und es öffnet sich erst mal der Konfigurationsassistent von Outlook. - Schnürt man ein Paket, in dem Outlook nicht mitinstalliert wird, ist der Button ausgegraut. Das ist nicht nur unnötig, sondern ein richtiger Arschloch-Move.
- Auf Server-Installationen werden ungefragt Migrationstools für die Cloud mitinstalliert, die keine Uninstall-Information haben.
- In allen textlastigen Anwendungen wird die Schriftart Calibri mit der Idiotenschriftgröße 11 Punkt gepusht. FICK Calibri. und FICK 11 Punkt. Es sieht aus, wie aufs Blatt geschissen.
- Wenn man im Active Directory einen User sucht, werden die erweiterten Eigenschaften nicht angezeigt. Doppelklickt man ihn in der OU, sind sie da.
- An zahllosen Stellen im OS und in diversen Tools gibt es auf Bildschirmen mit < 10 Ansteuerungspunkten mehrere, die die gleiche Tastenkombo haben. Das ist nicht nur unglaublich dumm, sondern auch ein Dick Move gegen Personen mit Sehschwäche. YOU HAD ONE FUCKING JOB. "Die zweite Silbe? Nee, lass noch n E nehmen. Das wird sie richtig anpissen."
- Im Auslieferungszustand werden Updates einfach komme, was wolle ausgerollt. Die Breite Masse testet für die Enterprise-Kunden. Ohne Pro-Version lässt sich das nur unterbinden, wenn man Schlüssel in die Registrierungsdatenbank legt und damit genau das macht, was Linux schon immer angekreidet wird: In den Eingeweiden fummeln.
- Apropos Systemregistrierung: Wer immer die designed hat, ist ein diabolisches Genie auf Supervillain-Niveau. Falls sich jemand noch nie im CLSID-Baum verlaufen hat: Glückwünsche... und ein Bisschen Neid.
- Das Dateisystem ist super ausgefuchst, wird aber von Windows ruiniert: Reparse Points, TrustedInstaller-Zweige; Verzeichnisse mit Junctions, soweit das Auge reicht; vererbte Berechtigungen, die auf jedem Level eine eingeschriebene Repräsentation haben; Alternative Dateistreams, die in der GUI nicht vom User bearbeitet werden können...
- Es gibt in Appx-Anwendungen keine Möglichkeit, Soft Scroll zu deaktivieren. sie bedienen sich erzwungenermaßen wie Seife. FICK SOFT SCROLL. Ich hoffe, wer immer diese Schnapsidee hatte, haut sich den kleinen Zeh an und hat nie wieder trockene Ärmel nach dem Händewaschen!
- Microsoft sitzt fest in der Linux Foundation, obwohl sie bis heute kein quelloffenes Betriebssystem herausgebracht haben. Was sie da drin zu suchen haben, weiß kein Mensch... Außer vielleicht, weil Azure auf Linux läuft...?
https://www.linuxfoundation.org/about/members
Es gibt noch einen Batzen von Unbequemlichkeiten, die nervig, dumm oder einfach ärgerlich sind. Im Vergleich zu den genannten Katastrophen erbleichen sie aber und wirken fast erbsenzählerisch. Zusammenfassend und stark mit Meinung getränkt bleibt mir nur zu sagen: Danke für nichts! Eure Produkte waren mal cool. Jetzt sind sie nur noch Datenkraken mit einem Minimum an Funktionen, die sich auf den Leistungen vergangener Zeiten ausruhen.
Einfach Respektlos.
The Shift
Es knarzt im Gebälk. Endlich. Die angespannte, politische Situation hat einen einzigen, wunderschön leuchtenden Lichtblick im Gepäck. Die Sperrung eines gewissen hochrangigen M365-Kontos hat einige Schlafmützen aus ihrem Schlummer gerüttelt. Die amerikanische Regierung, die gerade droht, an ihrer überzogenen Paranoia zugrunde zu gehen, hat aktuell (2026) einen viel zu festen Griff auf die Systeme, die unsere demokratische Grundstruktur zusammenhalten. Das neue Schlagwort heißt "Digitale Souveränität". Und ein großer Bestandteil davon ist open Source. Bisher haben sich einige, wenige Organe bis hin zu Bundesländern dazu bekannt, quell-offene Software der von proprietären Konglomeraten vorzuziehen. So langsam kommt aber Bewegung in die Sache. Vor Kurzem hat die EU beschlossen, für viele TechBro-Produkte europäische Alternativen zu entwickeln und sowohl Frankreich, als auch die Schweiz haben angekündigt, die Systeme der Verwaltung auf Linux umzuziehen.
Aber auch über dem Teich regt sich was. Der Market Share von Windows liegt da inzwischen sogar unter dem von Europa. Die Leute haben einfach die Schnauze voll davon, sich abziehen und bevormunden zu lassen. Ich hoffe, dass dieser Trend anhält, sich wie ein Lauffeuer auf alle Bereiche des technologischen Lebens verbreitet und dass nicht nur Saftläden, wie Microsoft, die gerechte Strafe für ihre mafiösen Transgressionen erhalten: Nämlich, dass keiner mehr ihren slopgetränkten Bullshit verwendet.